Minister auf der Abschussliste
Wenn man die richtigen (oder falschen) Freunde hat, dann braucht man keine Feinde mehr. In diesem Fall bezieht sich das auf Parteifreunde.
Aber um zu verstehen, was derzeit tatsächlich vorgeht, sollte man vielleicht ein wenig zurückblicken. Da gab es eine Bundesregierung, deren Chefin glänzte in erster Linie durch aufsehenerregend ärmliche Platitüden (“Es wäre falsch, jetzt nicht die richtigen Entscheidungen zu treffen” – häh?). Das war aber kein Problem, denn sie hatte in Ihrer Regierungsmannschaft einen Wirtschaftsminister, der das noch locker unterbieten konnte – wenn er denn überhaupt mal was gesagt hat.
Der Nachfolger war dann leider nicht mehr so gut zu gebrauchen: ein schneidiger Mensch, der wohl auch gut in eine Uniform gepasst hätte, der aber – und sei es nur im Vergleich zu seinem Vorgänger – auffallend kompetent war. So dauerte es nicht lange und eben jener neue Wirtschaftsminister war in der Bevölkerung beliebter als die Kanzlerin selbst.
Jeder normale Mensch würde sich an dieser Stelle bemühen, an seiner eigenen Beliebtheit zu arbeiten – nicht aber die politische Erbin des Mannes, der das Land für seinen Wahlsieg mal eben ruiniert hat. Hier scheint die oberste Maxime zu sein: loswerden, diesen Guttenberg!
Der Anfang wurde nach der Bundestagswahl gemacht, das zu beliebte Ministerlein bekam den Posten des Verteidigungsministers – ein Regierungsjob, der traditionell ein Schleudersitz ist. Passend dazu schwelte da noch eine Affäre über ein paar hundert Tote in einem Kriegseinsatz der Bundeswehr, der nicht Kriegseinsatz genannt werden darf. Und an dieser Stelle wird dieser Guttenberg dann gleich doppelt nützlich. Die Affäre kocht hoch, es wird eng für Kanzlerin Merkel und für Verteidigungsminister Guttenberg und – das Ende ist abzusehen – der Verteidigungsminister wird wohl bald gehen dürfen. Doppelt nützlich ist er deswegen, weil er nun zum einen endlich aus dem Weg ist, und weil er als Bauernopfer auch gleich noch das Bleiben der Kanzlerin unterstützt.
Das sind jetzt wilde Vermutungen und Verdächtigungen? Nicht wirklich. Die Affäre kocht in den letzten Tagen erst richtig hoch, seit “Bild” geheimste Dokumente veröffentlicht hat, welche die Regierung so richtig in die Bredouille bringen. Aber wer spielt solche Dokumente einem erzkonservativen Springerplatt zu? Wollten links gesinnte Politiker so etwas veröffentlichen, wäre das Dokument sicher an den “Spiegel” oder allenfalls noch an den “Stern” gegangen. Aber die “Bild”? Die fasst kein Linker an, geschweige denn sorgt er freiwillig für mehr Umsatz. So darf man wohl davon ausgehen, dass hier aus den eigenen Reihen auf Guttenberg geschossen wird.
So ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann unser Verteidigungsminister gegangen wird. Ob es Tage oder Wochen sind, die ihm noch bleiben, werden wir sehen. Traurig nur, das hier Kompetenz in Intrigantentum wieder über Kompetenz in Sachfragen gesiegt hat – eine Art der Auslese, die in der Politik üblich ist, aber sicher nicht zu mehr Qualität führt, geschweige denn diesem Land in irgend einer Art dienlich ist.
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