Es stinkt auf dieser Welt

Inhaltsleeres zum neuen Jahr – eine Vorschau auf die Neujahrsansprache

Posted in Demokratie, Gier und Geiz, Politik by wutanfall on Dezember 29, 2010

Auch dieses Jahr wird uns Frau Merkel wieder mit einer Neujahrsansprache in gewohnt peinlicher rethorischer Qualität beglücken. Da diese nicht nur beliebig austauschbar sondern auch vorhersehbar ist, ist es ohne weiteres möglich, schon jetzt auf deren Inhalt zu reagieren.

So wird ein großer Schwerpunkt ein Rückblick auf das vergangene Jahr und auf die Turbulenzen um den Euro sein – den Kanzlerin Teflon durch ihre Verzögerungen und Unentschlossenheit bekanntlich zusätzlich in Bedrängnis gebracht hat. Auch ist zu befürchten, das der Zeigefinger gegen Länder mit ausufernden Schulden erhoben wird. Doch woher kommen diese Schulden eigentlich?

Nun, es gibt Länder, die haben ein Außenhandelsdefizit, sprich die importieren mehr, als sie exportieren. Mit anderen Worten: diese Länder geben mehr Geld für Importe aus, als sie mit ihren eigenen Exporten einnehmen. Das führt – wie in jedem normalen Haushalt auch – irgend wann dazu, dass das Geld knapp wird und Schulden gemacht werden müssen um für die laufenden Kosten aufkommen zu können. Auch hier ist der Vergleich mit einem normalen Haushalt durchaus richtig: so etwas geht nur über eine begrenzte Zeit, irgend wann wird sich die Bank dagegen sperren, noch mehr Geld heraus zu rücken.

Zu vor-Euro-Zeiten gab es dafür eine relativ einfache Lösung: diese Länder haben Geld gedruckt und damit die eigene Währung abgewertet. Keine wirklich schöne Lösung für Leute mit Sparguthaben aber praktikabel: es war wieder Geld da und die eigenen Exporte sind dank der schwächeren eigenen Währung sogar noch ein wenig attraktiver geworden.

Mit dem Euro ist aber genau das vorbei: diese Länder können kein Geld mehr drucken, sondern müssen irgend wann die sprichwörtlichen Hosen runter lassen. Fakt ist auch, dass es einfach nur eine müde Stammtischparole ist, wenn gefordert wird, das Außenhandelsdefizit abzubauen. Wenn alle das machen wollten – wo soll der Überschuss für jeden denn dann herkommen? So funktioniert es also nicht.

Wirklich peinlich sieht es in diesem Zusammenhang für die andere Seite aus, für die Länder mit einem Außenhandelsüberschuss. Diese nehmen mehr ein, als sie ausgeben. Ergo sollten sie im Geld nur so schwimmen und auch keine Schulden haben, die Einnahmenseite sieht schließlich mehr als gut aus. Nun, die Bundesrepublik jagt von einem Außenhandelsrekord zum nächsten – aber auch von einem Schuldenrekord zum nächsten. Was uns Frau Merkel wohl dazu sagen wird? Ach ja, bekannte Parolen: den Gürtel enger schnallen. Hingegen werden wir kein Wort darüber erfahren, wo dieses Geld hin verschwindet. Oder mit anderen Worten: wir werden kein Wort darüber erfahren, warum die Firmen ihre enormen Außenhandelseinnahmen steuersparend ins Ausland schaffen dürfen, statt zum Gemeinwohl beizutragen.

Doch bleiben wir noch ein wenig bei den Schulden, über die uns Frau Merkel wieder ihr Leid klagen wird. Wo kommen diese nun eigentlich her? Klar, zum einen entstehen Schulden, wenn unfähige Politikier viel zu viel Geld viel zu sinnlos verballern (z.B. in milliardenschwere Bankenrettungsschirme oder Steuergeschenke für Hotels) statt ordentlich zu wirtschaften. Noch interessanter ist allerdings der Geldfluss selbst. Da gibt es zum einen die Europäische Zentralbank EZB, welche Herr über den Euro ist. Diese verleiht derzeit Geld zu einem Prozent Zinsen an die Banken (und die EZB verleiht Geld ausschließlich an Banken). Diese wiederum verleihen dieses Geld dann weiter – beispielsweise an die klamme Bundesrepublik – für derzeit ca. 8% Zinsen. Da stimmt was nicht? Richtig, aber es wird noch absurder! Alljährlich wieder sind die Zinseinnahmen – früher – der Bundesbank und heute der EZB der Politik Jubelmeldungen über unerwartete Einnahmen wert. Es wird also das lächerliche eine Prozent gefeiert, während 7 Prozent verschleudert werden.

Ach ja, diese Vorhersage zur Neujahrsansprache der Kanzlerin kann getrost auch noch gemacht werden: diese heimliche Bankensubventionierung wird mit nicht einem Wort erwähnt werden. Auch wird die einzige wirkliche Steigerung, die wir auch dieses Jahr wieder erlebt haben, unerwähnt bleiben: die Geschwindigkeit, mit der wir auf die Wand zurasen.

Nichts desto trotz wünscht Wutanfall ein schönes neues Jahr!

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